Mittwoch, 12. April 2017

Interviewpartner im Beitrag "Abgehängt! Diezemanns Reisen ins arme Deutschland" (SWR-Fernsehen) am 12.04.2017
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»Wie in einem Land Armut und Reichtum verteilt sind, gehört den brisantesten gesellschaftlichen Fragen. Wächst die Zahl derer, die von wachsendem Wohlstand abgehängt werden? Vergrößert sich die Kluft zwischen arm und reich? SWR-Reporter Kai Diezemann unternimmt eine Reise ins arme Deutschland. 942 Euro - wer ein Nettoeinkommen hat, das unterhalb dieser Grenze liegt, gilt in Deutschland als "armutsgefährdet". Das sind in unserem Land etwa 12 Millionen Menschen. Einer von ihnen ist Lothar G., ein ehemaliger Koch. SWR-Reporter Kai Diezemann trifft ihn bei der Mainzer "Tafel", wo sich Menschen mit geringem Einkommen mit Lebensmitteln versorgen können. Lothar G. hatte in seinem Berufsleben viele Saison-Verträge ohne soziale Absicherung, außerdem öfters auch Jobs im Ausland. Jetzt im Alter hat er nur Anspruch auf eine karge Rente. Einschließlich zusätzlicher Grundsicherung vom Staat kommt er 788 Euro. Mehr ist nicht drin.
Und das heißt: er muss mit jedem Cent rechnen. Nach Abzug der Miete des 14 Quadratmeter Apartments und der Kosten für Medikamente bleiben ihm zum Leben rund 330 Euro im Monat. Ohne das Brot, Obst und Gemüse, das er sich alle drei bis vier Tage von der Tafel holt, würde er nicht klar kommen, sagt er. Trotzdem ist er optimistisch, beklagt sich nicht. Er komme über die Runden, auch weil er Freunde hat, die ihm manchmal aushelfen, wenn es ganz eng wird mit dem Geld, erzählt er.
Lother G. gehört zu einer jener Gruppen, die am meisten von Armut gefährdet sind:
Geringverdiener, die wenig fürs Alter vorsorgen konnten. Aber auch Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern sind stärker von Armut bedroht als der Rest der Gesellschaft. Und trotzdem gibt es politischen Streit darüber, ob Deutschland insgesamt immer weiter auseinander driftet. Der Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Ulrich Schneider konstatiert eine immer größer werdende Ungerechtigkeit in Deutschland. Armutsforscher Georg Cremer von der Caritas hält dagegen. Er sagt, Armutsprobleme würden skandalisiert, das werde dem Sozial-Staat nicht gerecht und spiele Populisten in die Hände. Was stimmt?
Kai Diezemann sucht nach Antworten. Spricht mit armen Menschen und Experten. Wie fühlt sich Armut an in Deutschland 2017?«